Rauchen, Vapes und Nikotinbeutel: Jugendliche und Nikotin
Zigarette, Vape, Pouch, Shisha: welche Produkte Jugendliche nutzen und warum Nikotin so schnell bindet.
Nikotin ist für Jugendliche in vielen neuen Formen erreichbar: als klassische Zigarette, als bunte Einweg-Vape mit Fruchtgeschmack, als Beutel unter der Lippe oder in der Shisha-Bar. Alle diese Produkte dürfen erst ab 18 Jahren abgegeben werden. Weil Nikotin schnell abhängig macht und Jugendliche besonders empfindlich reagieren, lohnt es sich für Eltern, die aktuellen Produkte zu kennen und früh darüber zu sprechen.
Was das Jugendschutzgesetz regelt
§ 10 des Jugendschutzgesetzes (JuSchG) regelt den Umgang mit Tabak und Nikotinprodukten. Die Abgabe an Kinder und Jugendliche ist verboten, ebenso der Konsum in der Öffentlichkeit.
| Produkt | Abgabe an Minderjährige | Hinweis |
|---|---|---|
| Zigaretten, Tabak, Zigarren | verboten unter 18 | Zigarettenautomaten nur mit Altersprüfung |
| E-Zigaretten und Vapes | verboten unter 18 | gilt auch für nikotinfreie Liquids |
| E-Shishas und Shisha-Tabak | verboten unter 18 | gilt auch für nikotinfreie Produkte |
| Tabakfreie Nikotinbeutel | in Deutschland nicht verkehrsfähig | trotzdem online und teils im Handel erhältlich |
Weitere Einzelheiten zum Jugendschutz, auch zum Onlinehandel, finden Sie unter Jugendschutz und Recht.
Wie verbreitet ist Nikotinkonsum bei Jugendlichen?
Lange Zeit ging das Rauchen bei Jugendlichen in Deutschland stetig zurück. Die Drogenaffinitätsstudie 2025 des BIÖG zeigt erstmals wieder einen Anstieg: 9,6 Prozent der 12- bis 17-Jährigen rauchten, 2021 waren es 6,1 Prozent. Besonders bei Mädchen hat der Konsum zugenommen. Deutlich gewachsen ist auch die Nutzung von Mehrweg-E-Zigaretten, wobei die meisten Nutzerinnen und Nutzer nikotinhaltige Liquids verwenden. Nikotinbeutel hat ebenfalls ein Teil der Jugendlichen bereits ausprobiert.
Trotz des Anstiegs gilt: Die große Mehrheit der Jugendlichen raucht und dampft nicht.
Die Produkte im Überblick
Zigaretten
Tabakrauch enthält neben Nikotin zahlreiche giftige und krebserregende Stoffe. Die meisten Menschen, die rauchen, haben als Jugendliche damit angefangen. Je früher der Einstieg, desto schwerer fällt später der Ausstieg.
E-Zigaretten und Einweg-Vapes
E-Zigaretten erhitzen eine Flüssigkeit, das Liquid, die meist Nikotin, Aromen und Trägerstoffe enthält. Einweg-Vapes sind vorbefüllte Geräte, die nach Gebrauch weggeworfen werden. Sie sind klein, bunt, leicht zu verstecken und mit Geschmacksrichtungen wie Erdbeere, Mango oder Energy-Drink gezielt auf junge Menschen zugeschnitten.
Risiken für Jugendliche:
- Nikotinabhängigkeit, oft schneller als erwartet
- Reizungen der Atemwege und Husten
- unklare Langzeitfolgen der eingeatmeten Aromastoffe
- Produkte aus nicht kontrollierten Quellen mit unbekanntem Inhalt, im Extremfall mit beigemischten Drogen
Die Bundesregierung hat 2026 angekündigt, Einweg-E-Zigaretten verbieten zu wollen, vor allem wegen der Brandgefahr in der Müllentsorgung. Ob und wann ein Verbot in Kraft tritt, stand zum Zeitpunkt dieses Beitrags noch nicht fest.
Nikotinbeutel und Snus
Nikotinbeutel, auch Pouches genannt, enthalten Nikotin in Pulverform, oft mit Aromen und teils in sehr hohen Dosierungen. Snus enthält zusätzlich Tabak. Beide werden unter die Oberlippe gelegt. Weil weder Rauch noch Geruch entstehen, fällt der Konsum kaum auf, auch nicht im Unterricht. Tabakfreie Nikotinbeutel dürfen in Deutschland nach derzeitiger Rechtslage nicht verkauft werden, Snus ist in der EU außerhalb Schwedens ebenfalls nicht zugelassen. Trotzdem sind beide über das Internet und teils im Handel erhältlich.
Shisha
Shisha wirkt auf viele Jugendliche gesellig und harmlos. Tatsächlich atmet man beim Shisha-Rauchen über eine längere Zeit große Mengen Rauch ein, mit Nikotin, Schadstoffen und Kohlenmonoxid aus der Kohle. In geschlossenen Räumen kann es zu Kohlenmonoxidvergiftungen kommen.
Notfall. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Benommenheit nach dem Shisha-Rauchen können auf eine Kohlenmonoxidvergiftung hindeuten. Sofort an die frische Luft gehen und bei Bewusstseinsstörungen den Notruf 112 wählen.
Warum Nikotin Jugendliche so schnell bindet
Nikotin wirkt innerhalb von Sekunden auf das Belohnungssystem im Gehirn. Bei Jugendlichen ist dieses System besonders empfänglich. Schon nach kurzer Zeit regelmäßigen Konsums können Entzugserscheinungen auftreten: Unruhe, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme. Viele Jugendliche merken dann, dass sie nicht mehr „einfach aufhören“ können, obwohl sie es sich vorgenommen hatten.
Hinzu kommt: Hohe Nikotinkonzentrationen in manchen Pouches und Liquids, kombiniert mit angenehmen Aromen, verdecken, wie stark ein Produkt tatsächlich ist.
Aromen, Design und Social Media
Ein Großteil der Attraktivität neuer Nikotinprodukte entsteht nicht durch das Nikotin, sondern durch Verpackung und Inszenierung:
- Aromen: Süße Geschmacksrichtungen senken die Hemmschwelle beim ersten Versuch. Der kratzige Geschmack einer Zigarette, der viele früher abgeschreckt hat, fällt weg.
- Design: Bunte Geräte in Form von Stiften oder Spielzeug wirken wie ein Lifestyle-Accessoire.
- Social Media: Auf Plattformen wie TikTok oder Instagram tauchen Vapes und Pouches in Videos auf, oft ohne als Werbung erkennbar zu sein. Influencerinnen und Influencer zeigen Produkte, Tricks mit Dampfwolken oder Bestellmöglichkeiten.
Mit Jugendlichen gemeinsam solche Inhalte anzuschauen und zu fragen, wer daran verdient, schärft den Blick für Marketing. Mehr zum Umgang mit sozialen Medien lesen Sie im Beitrag Medien und Gaming.
Rauchfreies Zuhause und Vorbild
Kinder aus Familien, in denen geraucht wird, beginnen häufiger selbst damit. Das liegt nicht nur am Vorbild, sondern auch daran, dass Zigaretten oder Vapes leicht verfügbar sind und das Rauchen als normal erlebt wird. Wenn Sie selbst rauchen oder dampfen, helfen einige Grundsätze:
- Wohnung und Auto konsequent rauchfrei halten, auch zum Schutz vor Passivrauch
- Zigaretten, Liquids und Geräte nicht offen herumliegen lassen
- offen sagen, dass Sie selbst gern aufhören würden oder es bereuen, angefangen zu haben
- einen eigenen Ausstiegsversuch nicht verheimlichen: Kinder erleben so, dass Abhängigkeit schwer zu beenden ist
Auch Schulen tragen dazu bei, dass Nikotin nicht zum Alltag gehört. Rauchfreie Schulgelände sind in allen Bundesländern vorgeschrieben, die Regeln für E-Zigaretten unterscheiden sich aber im Detail. Eine klare, gemeinsam mit Eltern kommunizierte Haltung der Schule hilft mehr als eine Aufsicht auf dem Schulhof allein.
Mit Jugendlichen über Nikotin sprechen
- Interesse statt Verhör: Fragen Sie, was in der Klasse oder im Freundeskreis gerade angesagt ist. Jugendliche erzählen oft offener über andere als über sich selbst.
- Sachlich informieren: Die Abhängigkeit ist für viele Jugendliche ein stärkeres Argument als ferne Gesundheitsfolgen. Niemand möchte von einem Produkt kontrolliert werden.
- Eigene Haltung zeigen: Auch wenn Sie selbst rauchen oder dampfen, können Sie ehrlich sagen, dass Sie sich etwas anderes für Ihr Kind wünschen.
- Beim Aufhören unterstützen: Wer bereits abhängig ist, braucht Ermutigung, keine Strafe. Kostenlose Angebote wie die Programme von rauchfrei-info.de helfen beim Ausstieg.
Altersgerechte Gesprächsanlässe finden Sie unter Gespräche nach Alter. Schulen, die das Thema bei Eltern ansprechen möchten, finden Anregungen im Beitrag Elternabend zur Suchtprävention.
Quellen und weiterführende Informationen
Fragen und Antworten
- Ab wann dürfen Jugendliche E-Zigaretten kaufen?
- Erst ab 18 Jahren. § 10 Jugendschutzgesetz verbietet die Abgabe von Tabakwaren, E-Zigaretten und E-Shishas an Kinder und Jugendliche, und zwar auch dann, wenn die Produkte kein Nikotin enthalten. Auch der Konsum in der Öffentlichkeit ist Minderjährigen nicht gestattet.
- Sind E-Zigaretten weniger schädlich als normale Zigaretten?
- Für erwachsene Raucherinnen und Raucher, die vollständig umsteigen, gelten E-Zigaretten als weniger schädlich als Tabakzigaretten. Für Jugendliche, die vorher nicht geraucht haben, ist das kein Argument: Sie nehmen Nikotin auf, können abhängig werden und atmen Stoffe ein, deren Langzeitwirkung noch nicht ausreichend erforscht ist.
- Was sind Nikotinbeutel und sind sie in Deutschland erlaubt?
- Nikotinbeutel, auch Pouches genannt, sind kleine Beutel mit Nikotin, die unter die Lippe gelegt werden. Tabakfreie Nikotinbeutel dürfen in Deutschland nach derzeitiger Einordnung als nicht zugelassenes Lebensmittel nicht verkauft werden. Sie sind aber über das Internet und teils im Handel trotzdem erhältlich.
- Woran erkenne ich, dass mein Kind vapt?
- Mögliche Hinweise sind süßlich-fruchtiger Geruch, kleine bunte Geräte, die wie USB-Sticks oder Textmarker aussehen, Ladekabel ohne erkennbares Gerät oder häufiges Husten. Solche Zeichen sind ein Anlass für ein ruhiges Gespräch, kein Beweis.
Weiterlesen
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Konkrete Formulierungen für Gespräche über Alkohol, Nikotin, Cannabis und Medien, von der Grundschule bis zur Volljährigkeit.
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Ein Ablaufplan für 90 Minuten, Methoden für mehr Austausch, eine Checkliste und ein Einladungstext zum Anpassen.
Zuletzt überarbeitet am 10. Oktober 2026.