Schule

Elternabend zur Suchtprävention planen: Ablauf, Methoden, Checkliste

Ein Ablaufplan für 90 Minuten, Methoden für mehr Austausch, eine Checkliste und ein Einladungstext zum Anpassen.

Ein gelungener Elternabend zur Suchtprävention hat ein klares Thema, eine fachkundige Referentin oder einen Referenten und lässt den Eltern viel Raum für eigene Fragen und den Austausch untereinander. Neunzig Minuten reichen für einen kurzen Input, Gespräche in kleinen Gruppen und konkrete Anregungen für zu Hause. Diese Seite zeigt einen erprobten Ablauf, Methoden, eine Checkliste und einen Einladungstext.

Thema eingrenzen

Ein Abend, der „alles über Sucht“ behandeln will, überfordert. Besser ist ein Schwerpunkt, der zur Altersstufe passt:

Klassenstufe Mögliche Themen
Grundschule Kinder stark machen, Medienzeiten, Vorbild der Eltern
Klasse 5 bis 7 Erstes Smartphone, Gaming, Rauchen und Vapes
Klasse 8 bis 10 Alkohol und Partys, Cannabis, Gesprächsführung in der Pubertät
Oberstufe Eigenverantwortung, Mischkonsum, Fahren unter Einfluss

Fragen Sie die Elternvertretung vorab, was die Eltern beschäftigt. Eine kurze Umfrage über die Klassen ist oft aufschlussreich.

Referentin oder Referent finden

Fachlich fundierte Referentinnen und Referenten finden Sie über

  • die örtliche Suchtberatungsstelle, auffindbar über das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen,
  • die regionale Fachstelle für Suchtprävention, oft beim Gesundheitsamt, Landkreis oder einer Beratungsstelle angesiedelt,
  • die Landesstelle für Suchtfragen oder Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung Ihres Landes,
  • für Medienthemen die Medienkompetenz-Netzwerke der Länder, die oft Elternabende vermitteln.

Achten Sie darauf, dass die Person pädagogisch erfahren ist und sachlich informiert, ohne Angst zu schüren. Sprechen Sie Inhalt, Methode und Ablauf vorher gemeinsam ab.

Hinweis. Kommerzielle Anbieter, die mit dramatischen Erlebnisberichten oder Verkaufsinteressen auftreten, passen selten zu einem Präventionsabend. Fragen Sie im Zweifel bei der Fachstelle für Suchtprävention nach.

Ablauf für 90 Minuten

Zeit Programmpunkt Ziel
0 bis 10 Min. Begrüßung durch Schule, Vorstellung der Referentin, Ablauf Rahmen schaffen, Vertraulichkeit zusichern
10 bis 15 Min. Einstieg mit einer Frage an alle, zum Beispiel Stimmungsbild per Handzeichen Eltern aktivieren
15 bis 40 Min. Fachinput: Was wissen wir über Konsum in diesem Alter, was schützt? Sachliche Grundlage
40 bis 65 Min. Austausch in Kleingruppen mit Leitfragen Erfahrungen teilen, Lösungen sammeln
65 bis 80 Min. Ergebnisse im Plenum, Fragerunde mit der Referentin Fragen klären
80 bis 90 Min. Hilfsangebote, Material, Ausblick, Feedback Mitnehmen, wo es Hilfe gibt

Planen Sie einen kleinen Puffer ein. Fragen der Eltern sind wertvoller als ein perfekt eingehaltener Zeitplan.

Methoden, die Austausch fördern

  • Stimmungsbild: „Wer von Ihnen hat schon einmal mit seinem Kind über Alkohol gesprochen?“ Per Handzeichen oder mit Karten.
  • Positionslinie: Aussagen wie „Ein Glas Sekt an Silvester ist ab 14 in Ordnung“ vorlesen, Eltern stellen sich je nach Zustimmung im Raum auf. Das zeigt, wie unterschiedlich die Haltungen sind.
  • Fallbeispiele in Kleingruppen: „Ihre Tochter kommt um 1 Uhr nachts betrunken nach Hause. Was tun Sie?“ Die Gruppen sammeln Ideen, die Referentin ordnet ein.
  • Satzanfänge für Gespräche: Eltern üben zu zweit Formulierungen. Anregungen finden Sie unter Gespräche nach Alter.
  • Elternvereinbarung: Am Ende können Eltern einer Klasse gemeinsame Absprachen treffen, etwa zu Partys ohne Alkohol oder zu Abholzeiten.

Inhalte, die Eltern mitnehmen sollten

  1. Was schützt Kinder: Beziehung, Regeln, Vorbild.
  2. Wie man Gespräche beginnt, ohne zu belehren.
  3. Woran man Warnsignale erkennt und was eher normale Pubertät ist.
  4. Was das Jugendschutzgesetz erlaubt und wo Familienregeln strenger sein dürfen.
  5. Wo es Hilfe gibt, mit konkreten Adressen und Telefonnummern.

Für den letzten Punkt eignet sich ein Handzettel mit den wichtigsten Anlaufstellen. Eine Übersicht mit Nummern finden Sie unter Hilfe und Beratung.

Typische Fragen von Eltern vorbereiten

Bestimmte Fragen kommen an fast jedem Elternabend. Es hilft, sie vorher mit der Referentin durchzugehen:

  • „Ab wann ist ein Glas Alkohol in Ordnung?“ Hier lohnt der Hinweis auf das Jugendschutzgesetz und auf die Empfehlung der Fachstellen, unter 16 keinen Alkohol zu trinken.
  • „Mein Kind sagt, alle anderen dürfen das.“ Ein guter Anlass für Absprachen unter den Eltern der Klasse.
  • „Wie viel Bildschirmzeit ist normal?“ Statt einer Zahl hilft der Blick auf Schlaf, Schule, Freundschaften und Bewegung.
  • „Soll ich das Handy meines Kindes kontrollieren?“ Altersgerechte Jugendschutzeinstellungen und Absprachen sind meist besser als heimliche Kontrolle.
  • „Was tun, wenn ich Cannabis finde?“ Ruhe bewahren, Gespräch am nächsten Tag, bei Bedarf Beratung.

Wenn persönliche Fragen gestellt werden, die im Plenum zu weit führen, bietet die Referentin am besten ein Gespräch im Anschluss oder einen Termin in der Beratungsstelle an. So bleibt der Abend für alle angenehm, und niemand fühlt sich bloßgestellt.

Nach dem Abend

Ein Elternabend wirkt länger, wenn er nicht für sich allein steht. Schicken Sie den Eltern eine kurze Zusammenfassung mit den wichtigsten Tipps und Anlaufstellen, verweisen Sie auf das Präventionsprogramm im Unterricht und laden Sie im nächsten Schuljahr zu einem Folgeabend mit einem neuen Schwerpunkt ein.

Checkliste zur Vorbereitung

Sechs bis acht Wochen vorher

  • Thema mit Elternvertretung und Kollegium abstimmen
  • Referentin oder Referenten anfragen, Termin und Bedingungen klären
  • Raum und Technik reservieren

Drei bis vier Wochen vorher

  • Ablauf und Methoden mit der Referentin absprechen
  • Einladung verschicken, über Klassenleitungen und Elternvertretung
  • Bei Bedarf Übersetzung oder mehrsprachiges Material organisieren

Eine Woche vorher

  • Erinnerung an die Eltern
  • Handzettel mit Hilfsangeboten drucken
  • Material der Präventionsstellen bestellen oder herunterladen

Am Abend

  • Stuhlkreis oder Gruppentische statt Frontalbestuhlung
  • Getränke, Namensschilder, Feedbackbogen
  • Ansprechpartner der Schule für Rückfragen benennen

Danach

  • Kurzes Protokoll und Materialien an alle Eltern, auch an die Abwesenden
  • Rückmeldungen auswerten, Folgetermin überlegen

Beispiel für einen Einladungstext

Einladung zum Elternabend: Alkohol, Vapes und Handy, wie wir unsere Kinder stark machen

Liebe Eltern der Klassen 7a bis 7d,

in diesem Alter stellen sich viele neue Fragen: Wie spreche ich mit meinem Kind über Alkohol und Vapes? Wie viel Zeit am Handy ist in Ordnung? Was tun, wenn Freunde andere Regeln haben?

Wir laden Sie herzlich ein zu einem Elternabend am [Datum] um [Uhrzeit] in der [Raum]. Zu Gast ist [Name] von der [Beratungsstelle], die seit vielen Jahren mit Jugendlichen und Eltern arbeitet.

Es erwartet Sie ein kurzer Fachinput, viel Zeit für Ihre Fragen und den Austausch mit anderen Eltern. Niemand muss über die eigene Familie sprechen. Der Abend dauert etwa 90 Minuten.

Bitte geben Sie bis [Datum] kurz Bescheid, ob Sie teilnehmen.

Wir freuen uns auf Sie! [Schulleitung, Klassenleitungen, Elternvertretung]

Wenn die Schule ohnehin ein Präventionsprogramm im Unterricht einsetzt, lohnt es sich, den Elternabend daran anzubinden. Eine Übersicht finden Sie unter Präventionsprogramme.

Quellen und weiterführende Informationen

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie bekomme ich mehr Eltern zum Elternabend?
Persönliche Einladungen über Klassenleitung und Elternvertretung wirken besser als ein allgemeiner Aushang. Hilfreich sind ein konkretes, alltagsnahes Thema, ein Termin, der mit Berufstätigkeit vereinbar ist, und der Hinweis, dass niemand über die eigene Familie sprechen muss. Manche Schulen verbinden den Abend mit einem ohnehin geplanten Klassenelternabend.
Sollten Schülerinnen und Schüler dabei sein?
Für einen reinen Elternabend eher nicht, weil Eltern dann offener sprechen. Eine gute Ergänzung kann aber sein, Ergebnisse aus dem Unterricht vorzustellen, etwa was die Klasse im Präventionsprogramm erarbeitet hat.
Was kostet eine externe Referentin?
Viele Suchtberatungsstellen und Fachstellen für Suchtprävention bieten Elternabende im Rahmen ihres Präventionsauftrags kostenlos oder gegen eine geringe Pauschale an. Die Bedingungen sind regional verschieden, fragen Sie frühzeitig nach.

Zuletzt überarbeitet am 10. Oktober 2026.